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Michael Wening

Michael Wening wurde am 11. Juli 1645 als Sohn von Balthasar und Katharina Wening in Nürnberg geboren. Er überlebte als einziges von insgesamt 13 Geschwistern. Der Vater war Schweinmetzger und geschworener „Schweinschauer“ (Fleischbeschauer). Michael erlernte nicht den Metzgerberuf seines Vaters, sondern wurde Kupferstecher.

Über seine Lehrzeit ist nichts bekannt. In den sechziger Jahren des 17. Jahrhunderts arbeitete Michael Wening als Kupferstecher in Nürnberg für die Verlagshäuser Fürst und Hoffmann. Im Verlagshaus Fürst lernte er das Zeichnen von Stadtansichten, die in seinem späteren Schaffen eine bedeutende Rolle spielen sollten.

Im Frühjahr 1668 verließ er Nürnberg. Im Dezember des darauf folgenden Jahres wird Michael Wening erstmals in München urkundlich erwähnt. In München bewarb er sich um Aufträge als Kupferstecher bei Hofe. Er konvertierte um diese Zeit vom Protestantismus zur Katholischen Kirche. Grund mag hierfür die denkbar schlechte Erwerbssituation für Nichtkatholiken in München zur damaligen Zeit gewesen sein.

Am 27. Januar 1671 heiratete er Anna Maria Mörl und er erhielt die „Inwohnung“ d.h. eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis in München. Um 1672 erhielt Wening eine unregelmäßige „Anstellung“ bei Hofe als Quartiermacher, der Empfänge und Reisen zu organisieren hatte. In dieser Zeit erteilte ihm der kurfürstliche Hof zunehmend Aufträge als Kupferstecher. 1675 wird er bereits als Hofkupferstecher bezeichnet.

In den folgenden Jahren arbeitete Wening für unterschiedliche Auftraggeber und lebte überwiegend von Kleinaufträgen. Gegen Ende der siebziger Jahre gründete Wening einen Verlag und gab erfolgreich mehr als zehn Jahre lang illustrierte Kalender heraus.

Der wirtschaftliche Durchbruch kam 1680 mit einem Auftrag anlässlich des 18. Geburtstags des Thronfolgers Max Emanuel, wobei Wening das Feuerwerk zu Ehren des jungen Kurfürsten und zur Erinnerung an dessen Regierungsantritt in Kupfer stach und damit höchste Wertschätzung durch den Kurfürsten erfuhr. Dieser erteilte ihm nun regelmäßig Aufträge zu verschiedenen Anlässen. Insbesondere sollte er die Kriegserfolge des Kurfürsten darstellen. Im Verlauf der Türkenkriege bekam Wening daher zahlreiche Aufträge. Seine Schlachtendarstellungen sind einzigartige Zeugnisse der Zeitgeschichte, die nicht nur den Historikern, sondern auch dem interessierten Laien die Ereignisse jener Zeit veranschaulichen.

Im Januar 1696 regte Wening bei Hofe eine „Landesbeschreibung“ an. Sie sollte alle wichtigen Orte des Kurfürstentums Bayern darstellen. Es entstand ein Werk in vier Bänden, gegliedert nach den vier Rentämtern, die den heutigen Regierungsbezirken vergleichbar sind. Eine Beschreibung sollte die bildlichen Darstellungen erläutern.

Hierfür wurde der Jesuitenpater Ferdinand Schönwetter gewonnen. Wening machte sich im November des
Jahres 1696 auf den Weg und hatte bis Januar 1697 schon 131 Orte gezeichnet. Am 2. November 1701 konnte
der erste fertige Band der Landesbeschreibung, das Rentamt München, mit 358 Stichen übergeben werden.
Die Arbeiten an der vierbändigen Landesbeschreibung gestalteten sich ungleich schwieriger als Wening sich
das vorgestellt hatte. Die finanziellen Zuschüsse blieben hinter den tatsächlichen Kosten zurück und die Unterstützung vor Ort war sehr unterschiedlich. Dazu kam der spanische Erbfolgekrieg, in dessen Verlauf Bayern von den Österreichern besetzt wurde. Für Wening, den Hofkupferstecher der vertriebenen Wittelsbacher, bedeutete dies eine finanzielle Katastrophe. Hinzu kam der allgemeine wirtschaftliche Niedergang, der Wenings
Erwerbsmöglichkeiten stark einschränkte.

Trotzdem arbeitete er an seinem aus heutiger Sicht wohl bedeutendsten Werk auf eigene Kosten weiter. Nicht
zuletzt wegen seiner Aufwendungen von 6000 Gulden für dieses Werk waren seine letzten Jahre von bitterer
Armut gekennzeichnet. Wening starb am 18. April 1718. Es blieb seinen Erben vorbehalten, die Bände der drei
anderen Rentämter zu veröffentlichen. 1721 erschien der Band „Rentamt Burghausen“ mit 117 Stichen, 1723
der Band „Rentamt Landshut“ mit 245 Stichen und 1726 der Band „Rentamt Straubing“ mit 129 Stichen. Das
überlieferte Gesamtwerk der Landesbeschreibung umfasst somit 846 Stiche mit Ansichten von Städten, Märkten, Klöstern, Schlössern, Burgen und Herrenhäusern.

Vertragsgemäß lieferten die Erben Wenings die Kupferplatten bei Hofe ab, so dass sie sich noch heute in Staatsbesitz befinden und am Landesamt für Vermessung und Geoinformation in München aufbewahrt werden.