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Hans Kogler

Ab dem 15. Jahrhundert war das Erdinger Land eine in sich geschlossene Kunstlandschaft, deren gotische Kirchenbauten ihre Vorbilder im Niederbayerischen hatten. Auch die spätgotischen Plastiken dieser Zeit sind Landshuter Bildwerken vergleichbar. Einen krönenden Abschluss der Epoche stellt das monumentale Chorbogenkreuz der Erdinger Stadtpfarrkirche St. Johann dar, das der Bildhauer Hans Leinberger schuf.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde das Bauwesen in und um Erding mehr und mehr zu einer Domäne der Maurermeisterfamilie Kogler, die ursprünglich in Schliersee beheimatet war und von 1649 bis 1729 die Erdinger Stadtmaurermeister stellte. Als nach Kaspar und Hans 1729 auch Anton Kogler gestorben war, heiratete seine Witwe Johann Baptist Lethner, der bis zu seinem Tod im Jahr 1782 eine umfangreiche Tätigkeit als Kirchenbaumeister entwickelte. Er und nach ihm der aus Wien in die Familie eingeheiratete Mathias Rösler (1782-1808) führten die Tradition fort. Während dieser Baumeisterdynastie entstanden im Erdinger Land rund 100 Kirchen und Kapellen, für die lichte Weiträumigkeit und mit breit aufsitzenden Barockhauben versehene Türme bezeichnend sind. Hans Kogler baute zum Beispiel die Kirchen in Finsing, Niederneuching und St. Paul in Erding, Anton Kogler in Tading, Wartenberg und Lohkirchen und Lethner in Berglern und Kögning bei Taufkirchen und höchstwarhscheinlich auch die Schlosskirche Aufhausen. Diese Gotteshäuser sind stattliche, aber kunsthistorisch gesehen durchschnittliche Barockbauten, die jedoch in dieser Dichte in Altbayern einmalig sind. Die ebenfalls barocke Ausstattung der Kirchen erfolgte überwiegend durch einheimische Künstler. Das Landgericht wachte nämlich streng darüber, dass nur Kunstschaffende aus dem hiesigen oder dem Landshuter Raum beschäftigt wurden. So wird auch verständlich, dass der Landshuter Bildhauer Christian Jorhan in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in unserem Gebiet nicht weniger als 27 Kirchen mit seinen Figuren ausstattete. Seine Werke in der Dorfener Wallfahrts- und Pfarrkirche gehören zu den Höhepunkten des bayerischen Kirchenrokoko. Erwähnenswert sind außerdem der von Egid Quirin Asam entworfene Altar in Dorfen sowie die Kirchen in Maria Thalheim und Oppolding.

1803 erlosch mit der Säkularisation die Zeit des Kirchenbaus. Das Landgericht kam 1808 nach München, das Hochstift Freising verschwand, Klöster wurden geschlossen, versteigert oder abgebrochen. Erhalten geblieben sind jedoch in den Kirchen jene beeindruckenden Schöpfungen der Spätgotik, des Barock und Rokoko, die die Erdinger Kunstlandschaft zu einem Gebiet von besonderer Bedeutung innerhalb Altbayerns machen.